© Das Altarfenster unserer Kirche / Foto: Kaminski

Nicht nur das Christkind steht vor der Tür

Sat, 20 Nov 2021 09:02:23 +0000 von Martin Kaminski

In Marcardsmoor übt man das Kirchelüften – daher steht dort aktuell ein Gebläse vor der Tür
 
Überall gehen die Inzidenzzahlen durch die Decke. Lüchtermarkt und diverse Weihnachtsfeiern von zum Beispiel den Landfrauen oder dem Schützenverein wurden in Marcardsmoor bereits abgesagt. „Dies können wir sehr gut verstehen, auch wenn wir natürlich traurig sind, weil sich die Menschen auf die Veranstaltungen gefreut haben“, sagt Grete Reiners, die gemeinsam mit dem Kirchenvorstand die Verantwortung für die Gottesdienste trägt. „Wir müssen uns als Kirchengemeinde Gedanken darüber machen, was wir verantworten können und was nicht“, betont die Vorsitzende des Kirchenvorstands weiter. Im letzten Jahr hatte man sich im Lockdown an Weihnachten zur Absage der Gottesdienste vor Ort entschieden, aber dafür ein umfangreiches Digitalangebot gemacht. „Dieses Jahr wollen wir beides versuchen, aber gut vorsorgen“, erklärt Kirchenvorsteher Horst Fuhs.
 
Gemäß den landeskirchlichen Empfehlungen werden weniger als die Hälfte der Plätze in der Kirche besetzt werden können. Maximal 70, bei einem Fassungsvermögen von über 200 in der Kreuzkirche. „Dies funktioniert auch nur, wenn nicht nur Singles kommen“, sagt Horst Fuhs weiter und meint damit, dass es zwischen einzelnen Haushalten einen Mindestabstand von 150 cm geben muss. Zudem gibt es in der Kreuzkirche ab sofort wieder die Maskenpflicht auch am Platz und auf das Singen wird bis auf weiteres verzichtet. „Gerade zu Weihnachten ein Jammer“, sagt Kirchenvorsteherin Hilke Bruch, die früher den gemeindlichen Kinderchor leitete und aktuell zur Musicalgruppe gehört. Sie meint weiter: „Nützt nichts. Lieber Maske an und nicht singen, als sich wieder gar nicht treffen können.“ 
 
Ein weiteres Problem in der kleinen Marcardsmoorer Kirche ist, dass man die Fenster nicht öffnen kann. Daher hat die Freiwillige Feuerwehr mit Ortsbrandmeister Tobias Reinbacher nun der Gemeinde zu Testzwecken ein leistungsstarkes Gebläse vor die Kirchentür gestellt. Den Innenraum hatte man zuvor mittels E-Zigarette ordentlich eingedampft, so dass man sehen konnte, ob das Lüften funktioniert. Der Luftstrom beförderte Frischluft durch den Haupteingang – die verbrauchte Luft suchte sich ihren Weg durch zwei Nebenausgänge. „Wir helfen gerne“, resümierte Tobias Reinbacher, der die Kirche seit Kindertagen kennt und liebt, da sein Vater drei Jahrzehnte dort Pastor war. „Unsere Feuerwehr kann natürlich nur im Hintergrund wirken, denn all das geschieht in Verantwortung der Kirchengemeinde.“ 
Dies sei auch gut so, betont der Kirchenvorstand, da die Feuerwehr freiwillig auf alle nicht notwendigen Kontakte verzichtet, um Tag und Nacht einsatzbereit zu bleiben. „Toll, dass unsere Feuerwehr immer für uns da ist. Die Frauen und Männer haben höchsten Respekt verdient“, sagt Pastor Martin Kaminski, der die Weihnachtsgottesdienste leiten wird. Wenn die Feuerwehr auftritt, ist oft der Satz „Gemeinsam sind wir stark“ zu hören. Getreu dem Feuerwehrmotto „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ blickt man in der Kirchengemeinde gerade auch in Zeiten der Pandemie dankbar auf eine einsatzbereite Kameradschaft. Dies gelte natürlich genauso für die Freiwillige Feuerwehr Wiesede, zu deren Einsatzgebiet die gemeindlichen Dörfer Upschört und Wiesedermeer gehören, betont Grete Reiners, die selbst aus Wiesedermeer kommt. „Der Heilige Geist weht hier seit 114 Jahren – aber künstlichen Dampf hatten wir hier noch nicht,“ freut sich die Vorsitzende des Kirchenvorstands , auch wenn der Anlass der Übung natürlich eigentlich nicht zum Lachen ist. Das Interesse an den Weihnachtsgottesdiensten ist schon jetzt groß, obwohl die Gemeinde ja recht klein ist. Daher wird aktuell überlegt, weitere Gottesdienste anzubieten. Die Menschen in und um Marcardsmoor werden gebeten, sich zu den Weihnachts- und Silvestergottesdiensten anzumelden. Dies geht auf moorkirche.de oder telefonisch unter 04948 248.